MacDuff, John - Nach Jesu Sinn - 27ster Tag. Tätige Pflichterfüllung

Ein Jeglicher sei gesinnt, wie Jesus Christus auch war.

Ich muss wirken die Werke des, der mich gesandt hat, so lange es Tag ist, es kommt die Nacht, da Niemand wirken kann.
Joh. 9,4

Wie beständig und beharrlich war Jesus im Dienste Seines himmlischen Vaters! Des Morgens, vor Tag, stand Er auf und, nachdem Er in die verborgene Gebetsgemeinschaft mit Seinem Gott getreten war, fing Sein öffentliches Wirken an. Es war Ihm gleich, wo Er Sich befand: ob auf dem wogenden Meer oder am Bergesabhang, in der Wüste oder am Brunnen, die holdseligen Worte gingen immer aus Seinem Munde. Bei einer bestimmten Veranlassung hören wir, dass Er nach einem Tage unaufhörlicher Pflichterfüllung der Ermüdung erlag; - und bei der Überfahrt des Sees Tiberias schlief! (Matth. 8.) Er wusste jeden teuren Augenblick zu benutzen; die Worte, die Er an den Pharisäer richtete, sind uns Allen eine Vorschrift: Simon, Ich habe dir Etwas zu sagen! Ach, wie versinkt unsere eifrigste Tätigkeit vor einem solchen Vorbild in nichts! Könnten wir nur dessen eingedenk sein, dass Jeder von uns eine große Mission für Gott zu erfüllen hat; dass die Religion nicht in träumerischer Sentimentalität besteht, sondern in eifriger praktischer Wirksamkeit; und ferner, dass kein Handwerk, kein Beruf, keine Stellung, sei dieselbe hoch oder niedrig, uns für dieses Leben christlicher Tätigkeit und Nützlichkeit untüchtig machen kann! Wer sind die Schreiber der Bibel? Wir finden unter ihnen einen König, einen Gesetzgeber, einen Hirten, einen Zöllner, einen Arzt! Auch sieht der Herr nicht auf hohe Wirkungskreise, auf große Dienste allein. Das Scherflein der Witwe und das Glas köstlicher Narde der Maria werden uns zum Vorbild und zur Nachahmung vom heiligen Geiste aufgezeichnet, indem viele großartigere Taten übergangen sind. Wir sind überzeugt, dass Gott in Bezug auf manchen Versuch eines demütigen Christen, Ihm durch tätiges Wirken zu dienen, sagt: „Ich sah jenen Versuch, jenen schwachen Versuch, Mir zu dienen und mich zu verherrlichen; und eben seine Schwäche liebte Ich!“

Ist es uns nie aufgefallen, dass, trotz der Würde und der Tätigkeit Christi, Er im Vergleich damit wenig Erfolg in Seinem öffentlichen Wirken hatte? Wir lesen nicht von zahlreichen Bekehrungen; keine pfingstlichen Erweckungen kommen während Seines Predigtamtes vor. Sollte dies uns nicht ermuntern, wenn bei uns große äußerliche Resultate ausbleiben? Er setzt uns kein höheres Richtmaß als dieses: Sie hat getan, was sie konnte. Ein Künstler kann in der Abbildung eines Banners sowie eines Königs groß sein: es kommt dar auf an, wie er es macht. Ja, und sind wir den Tätigkeiten des christlichen Lebens entrückt, so können wir Gott eben so sehr durch stilles Dulden verherrlichen. Was bin ich, sagte Luther, nachdem er Zeuge der Geduld eines schwer Leidenden gewesen, was bin ich? ein plappernder Prediger gegen diesen großen Täter.

Leser! Vergiss nicht den Beweggrund unseres Textes: Die Nacht kommt! Wir bringen unsere Jahre zu wie ein Geschwätz, unser kurzer Lebenstag verfliegt rasch; die Schatten der Nacht sinken auf uns herab. Unsere Spanne Zeit, sagt Einer, wird bald auf einen Zoll herabkommen. Und sollte die elfte Stunde schlagen, nachdem wir den ganzen Tag müßig gewesen? Ein langes Leben unbeachteter und unbenutzter Gelegenheiten hinter uns, in denen wir nichts für Gott getan! Der Tag des Gerichts angebrochen, unsere goldenen Augenblicke verschwendet, unsere Talente unangewendet, unser Werk nicht getan, vom Richterstuhl aus die vernichtende Abweisung: Was ihr nicht getan habt! Die Zeit, die wir verloren haben, sagt Baxter, können wir nicht zurückrufen; sollten wir denn nicht die wenigen Augenblicke, die uns bleiben, zu benutzen und anzuwenden suchen? Wenn ein Reisender den größten Teil des Tages verschläft und vergeudet, muss er des Abends desto schneller reisen, sonst wird er das Ziel seiner Reise nicht erreichen.